Jahresbericht von Thomas Berger

Nach 1‘126 Tagen als Präsident des Vereins „(Pro) Nachtleben Bern“ sage ich definitiv adieu. Ich erlaube mir an dieser Stelle, statt des üblichen Jahresberichts auf die letzten drei Jahre zurück zu blicken und meine Wünsche für die Zukunft des Vereins zu äussern.

Vieles durften wir zusammen erleben. Leute kamen, Leute gingen. Einige blieben nur kurz, andere sind seit dem ersten Tag dabei und werden auch weiterhin wichtige Stützen des Vereins bleiben. Unvergessen bleibt die Wut, über diverse Entscheide der Behörden, das Unverständnis gegenüber der Ignoranz einzelner Gruppierungen des Nachtlebens und das kollektive Kopfschütteln gegenüber gewissen Vertretern der Stadt Bern, die anfänglich glaubten, diese „Nike-Turnschuhträger“ könne man vernachlässigen. Unvergessen aber auch der Stolz, als wir gemeinsam vor dem Erlacherhof standen und unsere 10‘700 Unterschriften überreichten, die Freude über die vielen kleinen Zwischenerfolge und die Genugtuung in den Momenten der Gewissheit, dass unsere Arbeit notwendig ist und wir auf dem richtigen Weg sind.

Der Weg war lang und wir sind noch nicht am Ziel. Doch auch kleine Schritte sind wertvoll, wenn sie in die richtige Richtung gemacht werden. Am Anfang dieses Weges stand unser erstes Treffen. Damals, im Sommer 2011 im Sitzungszimmer an der Neuengasse 20. Vertreter von Jungparteien und junggebliebene Politiker jeglicher Couleur trafen sich, überwanden die erste Skepsis und allfällig vorhandene Vorurteile, erarbeiteten gemeinsam eine Vision, fassten Ziele und beschlossen, losgelöst der Parteibücher zusammen zu arbeiten.

Auf die eingereichte Petition folgten unzählige Gespräche mit Vertretern der Stadt, mit Leuten aus der Nachtlebenszene, mit Quartiervereinen und weiteren Organisationen. Es gelang uns, auch via Medien eine breite Öffentlichkeit für unsere Anliegen zu sensibilisieren und das einseitige Bild des Nachtlebens als Problemherd zu korrigieren. Die Zusammenarbeit mit der BuCK Bern und bekult wurde etabliert. Wir vertraten unseren Verein über die Stadtgrenzen hinaus in Basel, Lausanne, Zürich und an weiteren Veranstaltungen. An den runden Tischen konnten wir unsere Vision aktiv einbringen und das Vernehmlassungsverfahren zur ersten Version des Konzepts Berner Nachtleben lief grossmehrheitlich nach unserem Gusto.

Exakt dieses Konzept gilt es nun aber umzusetzen. Auch unser Verein ist in der Pflicht sicher zu stellen, dass es nicht zum Papiertiger verkommt. Die demokratischen Mühlen mahlen langsam, trotzdem bzw. genau deshalb müssen wir am Ball bleiben. Das Gastgewerbe muss kommunalisiert werden, die Öffnungszeiten müssen flexibilisiert werden, der nächtliche ÖV muss ausgebaut werden und die städtischen Gesetze müssen dahingehend angepasst werden, dass wohnen und Nachtleben auch künftig in der gleichen Zone möglich sind und Lärmklagen einzelner Anwohner nichtig sind. Auch bei der Realisierung der Nägeligasse 2, der Umgestaltung der Schütz und weiteren Projekten müssen wir uns weiterhin aktiv beteiligen.

Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich das Präsidium gerne in besseren Zeiten verlassen hätte. Ein Blick in die Runde heute bestätigt, dass es uns bis an hin nicht abschliessend geglückt ist, den Verein zu etablieren und mit einer soliden Mitgliederbasis zu unterlegen. Ich bin aber überzeugt, dass der heute gewählte Vorstand den notwendigen Elan mitbringt, dies zu korrigieren.

Was mir bleibt sind Dank und Zuversicht. Zuversicht, dass das, was wir gemeinsam begonnen haben, gemeinsam weiter geführt werden wird. Ja, der Weg ist noch lang und wir werden noch so manches Hindernis überwinden müssen aber ich bin überzeugt, dass mein Nachfolger und sein Vorstand bestens geeignet sind, diesen Weg weiter zu bestreiten. Dank für all jene, welche mich die letzten drei Jahre begleitet haben. Ohne euch wären wir nicht dort, wo wir heute sind. Ohne euch, wäre die Welle der Empörung vor drei Jahren abgeflacht und wieder in der Versenkung verschwunden. Merci und Adieu.

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